Ambrosius von Mailand (340-397) Trauerrede auf Kaiser Theodosius d. Gr. (De obitu Theodosii oratio)
1. Das also drohten uns die schweren Erdbeben, das die unaufhörlichen Regenschauer und kündigte die außergewöhnliche Dunkelheit und Finsternis, daß unser gnädigster Kaiser Theodosius vom Irdischen scheiden würde1 Selbst die Elemente trauerten über seinen Hingang. Der Himmel war in Dunkel gehüllt, die Luft starrte ständig in Finsternis, die Erde schütterte unter Beben und war vollbedeckt von strömenden Wassern. Warum auch sollte nicht selbst die Welt trauern, daß jählings ein Herrscher hinweggerafft werden sollte, durch den das harte Los dieser Welt so gern Linderung erfuhr, indem er die Vergehen, ehe er sie strafte, verzieh?2
1: Von vielen Erdbeben einige Monate vor dem Tode des Kaisers im Spätherbst 384 berichtet auch Marcellinus Comes in seiner Chronik von 879—584 zum Jahre 894. Über außerordentliche elementare Vorgänge ferner, die am 6. Sept. 394 wesentlich zum entscheidenden Sieg des Theodosius über den Usurpator Eugenius bei Aquileja beitrugen, vgl. Rauschen, S. 412. Ambrosius selbst tut derselben wiederholt Erwähnung. Enarr. in Ps. 36, n. 25. Epist. 61, 2 und 62, 4. 2: Dieser rühmende Nachruf wird sich vor allem auf die weitgehende Amnestie beziehen, welche der siegreiche Kainer auf die Fürbitte des Ambr. Gegen die Anhänger des Eugenies übte. Er gewährte beispielsweise den zu ihm übertretenden Truppen nicht bloß Verzeihung, sondern ließ sie sogar an den Geschenken teilnehmen, die er nach dem Siege an das Heer verteilte. Rauschen, S. 412 f.
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