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Cyrillus von Alexandrien († 444) - Sieben Gespräche über die heilige und wesensgleiche Dreieinigkeit (De sancta Trinitate dialogi VII)
Viertes Gespräch. Daß der Sohn kein Geschöpf und Gebilde sei.

6.

A. Als nichtig, wie es scheint, und unnütz durchaus erscheint an ihm nun gar der Name Sohn und als Blendwerk die Zeugung, und als eitles Geschwätz kam zu uns die Lehre vom Vater.

B. Keineswegs, sagen sie; denn Vater des Sohnes heißt er im uneigentlichen Sinne; darum sagt er auch von den Söhnen Israels: 1 „Söhne habe ich erzeugt und erhöht.“

A. Ist also, wenn der Eingeborne mit uns zum Sohne angenommen ist, auch die Zeugung nur eine Willensthat, das Wahre daran aber, daß er geschaffen ist?

B. So sagen sie.

[S. 245] A. Und doch warum denn setzen sie es als etwas Nutzloses bei Seite, die Betrachtung gerade der Wahrheit sich angelegen sein zu lassen, und sagen fast jenes prophetische Wort: 2 „Wir haben die Lüge zu unserer Hoffnung gemacht und mit der Lüge uns bedeckt.“ Denn wann und inwieferne das Wort Erstgeborner geworden sei, sollte man, glaube ich, auch vor allem Anderen hören und so dann zu der den Mysterien entsprechenden richtigen Ansicht das Herz zu erheben sich angelegen sein lassen. Denn die Zeiten und sogar auch die Unterschiede der Personen werden uns, und zwar sehr leicht, die fehl und truglose und geradaus gehende Lehre der heiligen Schriften erkennen lassen. Oder wenn es nicht wahr ist, was ich sage, und man nach den Zeiten und Momenten nicht zu fragen braucht, in denen das Wort Gottes sowohl ohne Fleisch als im Fleische war, so erschrecke es Keinen, wenn auch vielleicht ohne Unterscheidung von ihm die Rede ist, und die Schrift sei ferne von Lästerung; und wenn etwa auch Jemand meinen sollte, das Wort aus dem Vater sei in Wahrheit gestorben, obwohl es Leben ist von Natur, so verlange er unseren Applaus und unseren Beifall, daß er nicht lüge; eitel schwätzen aber wird demnach auch, wer sagt, es sei dem Fleische nach gestorben. Denn Alles an ihm erscheint nun bereits als indifferent.

B. So ist es, wenn man so denkt; und doch ist die Sache nicht frei von Tadel und Anklage.

A. Gewiß nicht, mein Guter; und noch in eine andere Ungereimtheit dürfte die Rede sie getrieben haben, und zwar ganz wacker.

B. In welche meinst du?

A. Es treiben Einige die Steuer ein, die nach dem Gesetze des Moses dazu kamen, und sammeln den gemein- [S. 246] samen Beitrag der Doppeldrachme, indem sie für zwei Köpfen eine verlangten. 3 Da sie nun zu Petrus herantraten (denn es beliebte ihnen, zu fragen, ob auch Christus selbst den Beitragenden zuzurechnen sei und die Steuer zahle, oder ob er die Eintreibung verweigere), lief der heilige Jünger sogleich hinein, weil er erfahren wollte, was sie hierin thun sollten. Es fragte aber Jesus und sprach: „Von wem nehmen die Könige der Erde Tribut und Steuer, von ihren Söhnen oder von den Fremden?“ Da aber Petrus sagte: „Von den Fremden,“ sprach er weiter: „Also sind die Söhne frei. Damit wir sie aber nicht ärgern, so geh’ hinaus an den See und wirf die Angel und den ersten Fisch, der heraufkommt, nimm; und wenn du ihm den Mund öffnest, wirst du einen Stater finden; den nimm und gib ihn ihnen für mich und dich!“ Bemerkst du nun, daß er seiner Natur das Zeugniß gab, frei zu sein? Das ist aber Etwas, was über das Geschöpf hinaus geht; denn es dient dem Schöpfer was in’s Dasein gesetzt ist. So rief auch unser göttlicher David zu dem über Alles herrschenden Gott empor: 4 „Alles dient dir.“ Also nicht in Dienstes und nicht in Unterthans-Verhältnissen ist uns der Sohn, sondern in der göttlichen und höchsten Natur, die das Gewordene überragt.

B. Sehr wahr.

1: Is. 1, 2.
2: Is. 28, 15.
3: Matth. 17, 23 u. f.
4: Ps. 118, 91.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger