Titel newsletter aktuell suche Titel werke start
Cyrillus von Alexandrien († 444) - Sieben Gespräche über die heilige und wesensgleiche Dreieinigkeit (De sancta Trinitate dialogi VII)
Viertes Gespräch. Daß der Sohn kein Geschöpf und Gebilde sei.

10.

A. Weil ich sagen möchte, mein Guter, daß weder Das, was eine überaus hohe und erhabene Natur besitzt, durch die Macht der im uneigentlichen Sinne gebrauchten Ausdrücke zu einem niedrigeren Rang herabgedrückt werden noch das Geringere und von Jenem an Glanz Übertroffene, wenn es durch bloße Hyperbeln von Redensarten geehrt ist, zu Dem sich erheben kann, was über seine Natur ist. Verstehst du, was ich sage, und begreifst du es wohl?

B. Nicht ganz.

A. Höre also! Obwohl bei uns nur einer der Natur nach Gott ist und als solcher angebetet wird, so werden doch auch wir selbst Götter genannt der Gnade nach und haben sogar auch die Ehre der Sohnschaft erlangt. Hast du uns denn Das nicht soeben gesagt?

B. Ja.

A. Wie nun, o Freund, da wir Götter genannt sind und Söhne, ist es möglich, daß auch wir Götter von Natur und in Wahrheit Söhne des über Alles Erhabenen seien, so daß wir den dießbezüglichen herrlichen Glanz nicht als ein Geschenk hätten, sondern für eine Frucht der höchsten Natur gehalten würden?

[S. 254] B. Keineswegs; denn wie sollte das der Natur nach Gewordene der Natur nach Gott sein?

A. Brav, mein Lieber. Es bleibt ja Jedes in seiner Natur, ohne durch die Größe der Redensart mit erhoben zu werden oder mit herabzusinken und klein zu werden, wenn auch etwas Niedriges von ihm gesagt wird. Wohlan also, laß uns sagen, daß, wenn vom Sohne das „Erstgeborner“ ausgesagt wird als Etwas, was er unsertwegen geworden ist, als er uns ähnlich wurde, er darum nicht wird aufgehört haben, der Natur nach und wahrhaft Gott und Sohn zu sein. Denn wie die Bezeichnung (als) „Götter“ uns nicht hinausgezwungen hat zu Dem, was über unsere Natur ist, so, glaube ich, wird die Einreihung unter die Geschöpfe wegen des Menschlichen ihn keineswegs herabgedrückt haben zu Dem, was ausser seiner Natur ist. Wenn aber Manche die Unbestimmtheit der Redeweise und die Ungenauigkeit uneigentlicher (bildlicher) Ausdrücke in den heiligen Schriften sich verbitten, so werden, glaube ich, wir und sie Nichts zu sagen im Stande sein, wenn es Einem gefiele, neugierig wissen zu wollen und zu fragen, warum die heiligen Schriften die über Alles, über Körper und Gestalt erhabene, quantitäts- und größelose, ungreifbare und immaterielle Natur zu körperlichen Bildern herabsehen, indem sie uns ein Angesicht, Hände und Füße des Herrn nennen. Ganz leicht aber und sehr tapfer werden wir die Einwürfe von Solchen abfertigen, wenn wir ihnen die kluge Antwort geben, die ununterschiedene Anwendung der Ausdrücke, welche nothwendig erdacht ist, um zum Nutzen der Hörer zu dienen, thue der überkörperlichen Natur keinen Eintrag, Das zu sein, was sie ist. Sollte die Rede nicht glaublich und ganz richtig sein?

B. Gewiß.

A. Weil sie aber durch übermäßigen Weisheitsdünkel aufgeblasen als unwiderleglichen Beweis geschwätzig dem Eingebornen das „Erstgeborner“ entgegenstellen, indem sie [S. 255] sagen, er dürfe nicht ausser die Schöpfung gestellt werden, da er eine dem All verschwisterte und verwandte Natur habe, gemäß dem Begriffe des Geschaffenseins, willst du, daß wir noch etwas Anderes, zum Nutzen nicht Undienliches sagen?

B. Es wäre mir sehr lieb.

A. Sind wir nicht durch den Sohn zur Annahme als Söhne berufen worden, die wir den Glauben an ihn angenommen haben und nach ihm gestaltet wurden wie Abbilder nach einem Urbilde?

B. Ja, wir sind genannt und gestaltet nach dem Sohne. Denn es steht geschrieben: 1 „Die ihn aber ausgenommen haben, denen gab er die Macht, Kinder Gottes zu werden, denen, die an ihn glauben.“

A. Sehr gut. Was aber hierin nothwendig ist, Das wirst du, ich weiß es, auch ganz richtig sagen. Sind wir zur Sohnschaft gerufen als einer wesenhaften und natürlichen? Und sind wir etwa nicht so gerufen worden, daß wir die Brüderschaft oder Verwandtschaft erlangten, oder wie?

B. Keineswegs zur wesenhaften, sondern zu einer geschenkten und aus Gnade.

1: Joh. 1, 12.

 

 

Informationen
Quellenangabe
Inhaltsverzeichnis
Cyrills Leben und Schriften
Bilder Vorlage

Navigation
. Vorwort.
. Erstes Gespräch. Daß...
. Zweites Gespräch Daß...
. Drittes Gespräch. ...
. Viertes Gespräch. ...
. . Mehr
. . 2.
. . 3.
. . 4.
. . 5.
. . 6.
. . 7.
. . 8.
. . 9.
. . 10.
. . 11.
. . 12.
. . 13.
. . 14.
. . 15.
. . 16.
. . 17.
. . 18.
. . 19.
. . Mehr
. Fünftes Gespräch. ...
. Sechstes Gespräch. ...
. Siebentes Gespräch. ...

Titel Top Back Next
 
Kontakt: Griechische Patristik und orientalische Sprachen - Miséricorde - Av. Europe 20 - CH-1700 Fribourg
Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger