Titel newsletter aktuell suche Titel werke start
Cyrillus von Alexandrien († 444) - Sieben Gespräche über die heilige und wesensgleiche Dreieinigkeit (De sancta Trinitate dialogi VII)
Fünftes Gespräch. Daß die Eigenschaften und die Herrlichkeit der Gottheit von Natur aus im Sohne sind wie auch im Vater.

16.

[S. 342] A. Schau’ nun, wie der Sohn die Schafe der Hand Gottes des Vaters seine eigenen nennt und uns das Joch der Dienstschaft auflegt! Er sprach nämlich so: 1 „Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie, und sie folgen mir, und ich gebe ihnen das ewige Leben, und sie werden nicht verloren gehen auf ewig, und Niemand wird sie aus meiner Hand rauben. Der Vater, der sie mir gegeben hat, ist größer als Alles, und Niemand wird sie aus der Hand meines Vaters rauben. Ich und der Vater sind Eins.“ Schafe also Gottes des Vaters, nicht milder aber auch des Sohnes sind wir genannt und sind es. Und daß auch Engel ihm dienen, leicht kannst du aus den heiligen Schriften auch Dieses erfahren. Denn der weise Matthäus sagt, nachdem der den fastenden Christus versuchende Satan bereits entflohen und in’s Nichts dahingegangen war: „Siehe, Engel kamen und dienten ihm!“ 2 Und sogar auch im Kreise umstanden seinen hohen und erhabenen Thron lobpreisend die Seraphim, heilig ihn nennend und „Herr der Heerschaaren“ und rufend, „voll sei der Himmel und die Erde von seiner Herrlichkeit.“ 3 Der aber gleichmäßig über Alles herrscht, gleich stark 4 und gleich mächtig mit dem Vater und nicht weniger herrlich (denn voll ist Alles von seiner Herlichkeit), und sagt, er besitze mit Dem, der größer ist als Alles, die natürliche Identität, wie sollte Der nicht den gleichen Rang haben? Hast du Etwas zu denken oder zu sagen, wohin die Herrlichkeit des Vaters sich erhöbe, die des Sohnes aber zurückbliebe, weil sie mit ihr nicht Schritt halten kann und sich weigert, sich mitauszudehnen, aus Mangel an Gleichheit?

B. Ich kann mir Nichts denken.

A. Was aber wird uns auch die „Hand des Vaters“ bedeuten? die allwirksame Thätigkeit oder die Stärke? Denn [S. 343] die Rede von Gott geht immer über die körperhafte Vorstellung hinaus.

B. Es paßt richtig auf Beides, wie ich glaube; denn es steht Nichts im Wege.

A. Du hast Recht; aber was für geringer und schwächer gehalten wird, als das Erhabenste ist, wie sollte Das noch gleich wirksam und gleich mächtig gesehen und genannt werden, und wie sollte der Sohn die gleiche Herrlichkeit mit dem Vater haben und die höchst genaue Ähnlichkeit der Einheit mit ihm? Denn „ich“, sagt er, „und der Vater sind Eins,“ obwohl er ihm die höchste Vollkommenheit zuschrieb; denn „der Vater,“ sprach er, „ist größer als Alles“.

B. Er könnte es nicht haben, daran fehlt viel; denn wenn er überhaupt in irgend einem Stücke geringer ist, so wird zugleich Alles an ihm herabsinken.

A. Also wird er die Vollkommenheiten des Vaters durchaus in keiner Hinsicht erreichen, da er geringer ist und nicht gleich, und kann auch nicht, und zwar freimüthig, zu ihm sagen: 5 „Alles Meinige ist dein und das Deinige mein.“ Denn wohlan, laß uns dem Vater den Vorrang zuschreiben und sagen, der Sohn sei mangelhaft, welche Geschicklichkeit wird dann dazu gehören, dem Sohne Alles zuzueignen, was des Vaters ist, und dem Vater, was des Sohnes ist, dabei aber als eine der dem Vater zukommenden Eigenheiten die Hohheit und Erhabenheit über Alles zu denken? Und wie wird Das dem Sohne eigen sein, obwohl er geringer ist? Und wenn die Geringerheit dem Sohne eigen ist, wie kann sie es auch dem Vater sein? Ich bin in Verlegenheiten aber sollst uns zeigen, wie.

B. Ich kann es nicht. Denn das Denken findet da gar keinen Ausweg.

[S. 344] A. Stromabwärts also fließe die Rede und gehe den vorliegenden Weg; ich will aber auch etwas Nothwendiges fragen. Liegt es bloß in der Macht des Vaters, von Vergehungen zu befreien und unsere schwer abwaschbare Sünde zu tilgen?

B. Ja.

A. Und wie ist es nicht sehr gefährlich, zu wagen, den Sohn davon abzuhalten, obwohl er sich durch die gleichen Thaten auszeichnet, und keck zu sagen, er sei geringeren Ranges als der Vater? Denn welchen er will, läßt auch er Sünden nach. Indem er nämlich ermahnt, Vergebung angedeihen zu lassen, und lehrt, man müsse sie gewähren, — „denn wenn ihr,“ sagt er, 6 „den Menschen ihre Vergehungen vergebet, wird euer himmlischer Vater auch euch vergeben,“ — und indem er dem Vater die Macht zuschreibt, die Sünden zu vergeben, welchen er will, nimmt er es auch für sich in Anspruch, Das zu thun, mit den Worten: 7 „Damit ihr aber wisset, daß der Sohn des Menschen Macht hat, auf Erden Sünden nachzulassen (da sprach er, heißt es, zu dem Gichtbrüchigen): Steh auf, nimm dein Bett und geh’ in dein Haus!“ Was also gleich ist an Macht und im Wirken identisch, wie sollte Das noch geringer sein und im Range nachstehen?

B. Unmöglich, denn die Sache ist klar.

A. Es wird aber dem Gesagten auch der heilige Paulus die Richtigkeit bezeugen, der uns zuruft: 8 „Wer wird gegen die Auserwählten Gottes Klage erheben? Gott ist’s, der rechtfertigt; wer ist, der verdamme?“ Und diese Großthat auf den Sohn übertragend und auch ihm die Macht, die Gläubigen zu rechtfertigen, zutheilend schreibt er wieder so: 9 „Gerechtfertigt also durch den Glauben haben wir [S. 345] Frieden mit Gott durch unseren Herrn Jesus Christus.“ Denn der Glaube verbindet uns mit Gott dem Vater und bringt uns ihm nahe durch den Sohn; es rechtfertigt uns aber, nach der wahren und unverfälschten Lehre, nicht Gott der Vater für sich, und für sich und besonders der Sohn, sondern die Rechtfertigung, die als vom Vater kommend gedacht wird, diese ist gewiß die des Sohnes, und welche der Sohn verleiht, diese muß man annehmen als die des Vaters. Denn wie das zur Entstehung Gerufene den Eintritt in’s Dasein durch Den erlangt hat, durch welchen Alles [ist] und keinen Anderen zum Schöpfer hat, durch den es zu Stande gebracht wurde, so wird durch ihn das aus der ursprünglichen Glückseligkeit Gefallene gerettet und empfängt den Zustand des Wohlbefindens wieder, indem es auf die einer jeden Natur angemessene Weise zur vollkommenen Schönheit zurückkehrt.

B. Einverstanden.

1: Joh. 10, 27.
2: Matth. 4, 11.
3: Is. 6, 2.
4: Ἰσόχειρ, eigentlich gleichhändig.
5: Joh. 17, 10.
6: Matth. 6, 14.
7: Matth. 9, 6.
8: Röm. 8, 33.
9: Röm. 5, 1.

 

 

Informationen
Quellenangabe
Inhaltsverzeichnis
Cyrills Leben und Schriften
Bilder Vorlage

Navigation
. Vorwort.
. Erstes Gespräch. Daß...
. Zweites Gespräch Daß...
. Drittes Gespräch. ...
. Viertes Gespräch. ...
. Fünftes Gespräch. ...
. . Mehr
. . 3.
. . 4.
. . 5.
. . 6.
. . 7.
. . 8.
. . 9.
. . 10.
. . 11.
. . 12.
. . 13.
. . 14.
. . 15.
. . 16.
. . 17.
. . 18.
. . 19.
. . 20.
. Sechstes Gespräch. ...
. Siebentes Gespräch. ...

Titel Top Back Next
 
Kontakt: Griechische Patristik und orientalische Sprachen - Miséricorde - Av. Europe 20 - CH-1700 Fribourg
Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger