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Cyrillus von Alexandrien († 444) - Sieben Gespräche über die heilige und wesensgleiche Dreieinigkeit (De sancta Trinitate dialogi VII)
Fünftes Gespräch. Daß die Eigenschaften und die Herrlichkeit der Gottheit von Natur aus im Sohne sind wie auch im Vater.

8.

A. Die aus Erz zum Beispiel oder Stein gemachte, einen Mann darstellende Statue, wird sie ein Abbild der Wesenheit des Betreffenden sein oder der Gestalt und Form desselben?

B. Der Gestalt natürlich.

A. Der Sohn aber von Einem, der von der Natur selbst dazu gestaltet ist und genau gebildet nach dem Gleichnisse des Erzeugers, nämlich in Bezug auf die Natur, wird der denn nicht als natürliches und wesenhaftes Bild gedacht?

A. Da es nun bereits klar und deutlich ist, daß der Sohn, als Ebenbild des Wesens Gottes des Vaters, unverkümmert und unverfälscht die göttliche Schönheit in sich selbst darstellte, da er offen sprach: „Ich bin im Vater und der Vater in mir“ und: „Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen,“ wie muß man nicht nothwendig denken, daß er, als durch die Eigenschaften der Gottheit ausgezeichnet, wie gewiß auch der Vater, keineswegs ermangeln wird, Leben zu sein und lebendig machend, damit nicht durch das Bild Der gewissermaßen verunehrt werde, dessen [S. 315] Bild er ist? Denn wenn es nicht so ist, was den Sohn betrifft, welcher das Bild des Vaters ist, so wird man am Ende gar auf die Vermuthung kommen, daß auch der Vater selbst nicht mehr Leben, sondern des Lebens bedürftig sei und es von einem Anderen habe. Oder wie sollte ein unverschiedenes Bild des Leben Gebenden Das sein, was das Leben empfängt, des Überfluß Habenden das Bedürftige, Dessen, was Anderen mitzutheilen im Stande ist, Das, was auch seiner eigenen Natur nicht genügt?

B. Die aber schwätzen, der Sohn sei des Lebens theilhaftig und nicht selber von Natur aus Leben, wohin Diese seine Natur setzen, als von dem Leben in ihm verschiedene, kann ich nicht denken. Muß nicht Das, wovon man glaubt, daß es an Etwas Theil habe, nothwendig von anderer Natur sein als Jenes, damit es nicht an sich selber Theil zu nehmen heisse und scheine, wenn es nämlich von gleicher Natur ist?

A. Also, wenn der Sohn nicht Leben ist von Natur, wird er gewiß in einer eigenen Natur sein, weil er des Lebens in ihm als eines von ihm selbst verschiedenen theilhaftig ist. Es sollen nun die Vertheidiger so verkehrter Lehren antworten, unter welcher Art er nach ihnen sein wird. Denn schon vorher hat die Untersuchung uns gezeigt, daß er nicht geworden ist.

B. Leben, sagt Einer, ist er geworden vom Vater. Es sagt ja Johannes: 1 „Was in ihm geworden ist, war Leben.“ Das Wort ist also Leben.

A. Beides also verknüpfend und in Eins verbindend, das Leben und den Sohn, sagst du, er sei nichts Anderes als das Leben in ihm, so daß durch verschiedene Namen die Natur des von uns als Eins Gedachten bezeichnet werde, mag er nun Sohn oder Leben genannt werden.

[S. 316] B. So sage ich.

A. Sie nehmen also an, das Leben sei vom Vater beschaffen worden. Und wie wäre Das übrigens nicht ein Vorwurf und eine Anklage der Thorheit gegen sie? Müssen sie nicht auch wider Willen sagen, das Gewordene sei aus dem Nichtsein hervorgebracht, und was einen Anfang des Seins erhalten hat, sei vorher nicht gewesen? Aber Das, ihr trefflichen, ist nicht Leben; daran fehlt viel. Denn Leben ist nicht das in’s Leben Gerufene, sondern ihm kommt es vielmehr zu, immerwährend zu sein und eine anfangs- und endlose Existenz zu haben. Wenn sie aber meinen, ihre Ansicht sei weise und besonnen, welche den Sohn am Leben Theil haben läßt, obwohl er als Leben gedacht wird, so sollen sie hören, daß man Leben Das nennt, was lebendig macht, nicht, was lebendig gemacht wird, wie gewiß auch Licht und Weisheit und Kraft nicht das des Lichtes Bedürftige und der Weisheit Ermangelnde und Kraft von einem Anderen Bekehrende, sondern vielmehr Das, was erleuchtet und weise macht und Andere kräftigt. Scheine ich dir nicht den geraden, ungekrümmten und durch das Lob des Gesetzes gebilligten Weg zu gehen? Denn „gehe“ sagt es, 2 „auf dem königlichen Wege!“

B. Gewiß.

1: Joh. 1, 3.
2: Num. 21, 22.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger