Origenes († 253/54) - Über die Grundlehren der Glaubenswissenschaft (De principiis) Drittes Buch. Fünfter Abschnitt (VI. Cap.). Vom Ende der Welt.
5. Darum muß denn auch der letzte Feind, der Tod, vernichtet werden, damit keine Trauer und keine Feindseligkeit mehr sey. Die Vernichtung dieses letzten Feindes ist jedoch so zu verstehen, daß nicht sein von Gott erschaffenes Wesen vernichtet werde, sondern nur sein feindliches Streben, das nicht von Gott ist, sondern aus ihm selbst hervorgeht. Er wird also nur insofern vernichtet werden, daß er nicht mehr Feind und Tod ist. Denn bei Gott ist kein Ding unmöglich, und seinem Schöpfer ist kein Wesen unheilbar. Er hat Alles geschaffen, damit es sey; und was gemacht ist, um zu seyn, das kann nicht zu Nichte werden. Ebendaher wird es zwar mancherlei Umwandlungen erfahren und nach Verdienst bald in besserem, bald in schlimmerem Zustande seyn; aber einer wesentlichen Vernichtung ist das, was Gott für den Zweck des Daseyns geschaffen, nicht fähig. Denn was der gemeine Haufen Vernichtung nennt, das versteht nicht auch die Wissen- [S. 244] schaft 1 darunter. Aus Unverstand und Unglauben nimmt man wohl auch an, 2 daß unser Fleisch nach dem Tode so gänzlich zu Grunde gehe, daß nicht eine Spur davon übrig bleibe. Glauben wir dagegen an eine Auferstehung, so denken wir uns nur eine Umwandlung desselben im Tode: das Wesen davon muß bleiben und nach dem Willen seines Schöpfers zur bestimmten Zeit wieder in’s Leben gerufen werden, und dann wiederum eine Umwandlung erfahren; bis das anfängliche irdische Fleisch, aufgelöst durch den Tod und zur Erde geworden, aus der Erde wieder geweckt und endlich nach dem Verdienste der ihm inwohnenden Seele in einen geistigen Körper verklärt wird.
1: Rufin sagt hier (unpassend): vel fidei vel veritatis ratio. Unter der πιστις ist das πληθος mitbegriffen, aber nicht unter dem αληθης λογος. 2: Denique ab imperitis et infidelibus — existimatur. Sollte Orig. so gesprochen haben? Ich zweifle, wenn ich die Briefe des Hier. lese. Das 6. Buch gegen Cels. verräth zwar eine Unsicherheit seiner Ansicht über die Auferstehung; aber hier, in diesem Zusammenhang, kann er doch nur problematisch von der folgenden Ansicht reden.
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