Origenes († 253/54) - Über die Grundlehren der Glaubenswissenschaft (De principiis) Viertes Buch. Zweiter Abschnitt. Von der Art, die heil. Schrift zu lesen und zu verstehen.
3. Der Weissagungen brauche ich kaum zu erwähnen; wir wissen Alle, daß sie voll Räthsel und dunkler Reden sind. Wenden wir uns ferner zu den Evangelien, so bedarf auch das richtige Verständniß dieser, weil es ein Verständniß Christi seyn soll, der Gnade, die dem verliehen war, welcher (1 Cor. 2, 16.) gesagt hat: „Wir haben das Verständniß Christi, um zu wissen, was Gott uns mitgetheilt hat: was wir auch verkündigen nicht in gelehrten Reden menschlicher Weisheit, sondern in der Sprache des Geistes.“ Wer liest, was dem Johannes geoffenbart wurde, nicht mit Erstaunen über die auch einem in der Schrift Unerfahrenen, in die Augen fallende 1 Verhüllung unaussprechlicher Geheimnisse? Auch die Briefe der Apostel werden wohl Keinem, 2 der von einem gründlichen Forschen weiß, klar und leicht faßlich erscheinen, da auch hier unzählige Male die größten Gedanken wie durch ein Sprachrohr nur ein langsames Verständniß zulassen. 3 Ist nun dem [S. 262] also, und irren soviele, so ist es immer bedenklich bei dem Lesen, zu behaupten, daß man das leicht verstehe, was doch des Schlüssels zum Verständniß, den, wie der Heiland sagt, die Schriftgelehrten haben, bedarf. Wer ja behauptet, 4 daß in der Zeit vor der Erscheinung Christi die Wahrheit nicht gewesen, der erkläre uns doch, wie der Herr Jesus Christus sagen kann, den Schlüssel des Verständnisses besitzen die, von welchem jene doch behaupten, daß sie keine Schriften haben, die Unbegreifliches und wirklich Geheimes enthielten. Der Ausspruch (Luc. 11, 52.) lautet so: „Wehe euch, Schriftgelehrten, die ihr den Schlüssel des Verständnisses entwendet habt, ihr selbst tratet nicht ein, und verwehrtet Andern, hineinzugehen.“
1: επικρυψιν απορρητων μυστ. — εμφαινομενην, 1. Cod. reg. welche Lesart ich für älter halte, als εμφαινομενων, weil auch Rufin damit übereinstimmt »tantam inesse occultationem ineffebilium sacramentorum«, und weil sie einen schönen Gegensatz bildet zu επικρυψιν, den freilich Rufin übersehen hat. — Auch Hieron. ad Paulin. sagt von der Off. Joh.: tot habet sacramenta, quot verba. 2: Rufin las τινι als Fragwort — δοξαιεν αν ειναι. Dann ist das folg. Part. absolut. zu übersetzen mit: obgleich auch hier u. s. w. 3: ως δι’ οπης — ου βραχειαν αφορμην παρεχοντων, Rufin gerade das Gegentheil: ut per eas quasi breve receptaculum immensae lucis claritas videatur infundi. 4: Eine nachträgliche Bemerkung gegen die Läugner der Auctorität des A. T. (§. 8.), die er im folg. §. nicht weiter berührt. Daher Rufin: in hoc loco, licet per excessum quendam, inquirendum ab his tamen puto, qui dicunt (das Weitere wie oben), und am Anfang des §. 11. „Ut dicere coeperamus etc.“
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