Editorial

Ich war letzten Sonntag im Kino – ein Vergnügen, das ich über lange Zeit vernachlässigt hatte. Es war wie ein Wiedersehen mit einer alten Freundin: vertraut, angenehm, voll freudiger Erwartung.

Kino kann so vieles. Es nimmt uns mit auf Reisen, lässt uns lachen und weinen, nachdenken, rebellieren oder auch aufhorchen. Kino ist Unterhaltung, es ist Aufklärung, Aufarbeitung und nicht zuletzt: Bildung. Und wo Bildung ist, ist Wissenschaft nicht weit.

Trotzdem schien uns ein Wissenschaftsmagazin zum Thema «Kino» zuerst ein etwas gewagtes Unterfangen. Würden sich auf diesen Aufruf tatsächlich Forschende mit Themenvorschlägen melden? Und ob sie das taten! Die vorliegende Ausgabe entführt uns nach China in die Welt der Science-Fiction und nach Afrika, wo Bollywood, Hollywood und Nollywood aufeinandertreffen. Das Themendossier zeigt, wie Kino in Hörsälen eingesetzt wird, welche zentrale Rolle die Filmmusik spielt und dass, am Beispiel des Massakers von Tibhirine, auch tragische Ereignisse auf der Leinwand dargestellt werden dürfen – und sollen.

Kino in besonders intensiver Art lässt sich im Rahmen von Filmfestivals erleben. Welche Rolle die vielen kleinen und grossen Festivals in der Kinolandschaft spielen, beleuchtet Thierry Jobin, der künstlerische Direktor des Internationalen Filmfestivals Freiburg (FIFF) im Interview, zusammen mit dem Historiker Cyril Cordoba und der Soziologin Muriel Surdez.

Das FIFF hat uns nicht nur die stimmigen Bilder zur Verfügung gestellt, die das Themendossier «Kino» illustrieren – es sind die Preisträgerfilme des Grand Prix FIFF der letzten 10 Jahre – sondern auch dafür gesorgt, dass «universitas» am Filmfestival dabei sein darf. Vielen Dank!

Herzlich,

Claudia Brülhart

Chefredaktorin

Grand Prix FIFF 2021 | Philippe Lacôte, La Nuit des Rois | France, Côte d’Ivoire, Canada, Sénégal